Bella

Marquesas

Hiva Oa

Mit dem eigenen Boot dauert es immer eine Weile bis man gefühlsmäßig wirklich an einem neuen Ort angekommen ist. Unser Zuhause verändert sich nicht, oft sind dieselben Freunde auf dem Nachbarboot und trotzdem wohnt man plötzlich am anderen Ende der Welt. So haben wir uns in den ersten Tagen auf Hiva Oa erstmal treiben lassen. Ein paar hundert Meter vom Dinghy Dock entfernt können wir das Wifi des örtlichen Rettungsvereins nutzen. Wir hatten selten ein Internet-Cafe mit so einer traumhaften Aussicht!Mittwochs Abends veranstaltete der Verein ein Grillen. Der Grill wird zur Verfügung gestellt, es sind immer einige Musiker dort, die Jazz gemischt mit polynesischer Musik spielen, alles andere bringt jeder selbst mit. Hier haben wir einige Mittwoch-Abende zugebracht und viele nette Leute kennengelernt. Um ins Dorf zu laufen braucht man etwa eine halbe Stunde, meist hält jemand an und fragt, ob man mit dem Auto mitfahren möchten. Ganz anders als in Lateinamerika sind die Gärten sehr gepflegt, es liegt kein Müll herum, fast ein bisschen europäisch. Als wir eines Tages zurück zum Hafen kamen, stand ein Mann mit einem Pick-up dort und fragte, ob wir Mangos haben wollten. Natürlich wollten wir das! Als wir bezahlen wollten, lachte er nur und sagte, „Nein, nein, Geld will ich dafür natürlich nicht.“ Wo gibt’s denn so was? Da fährt jemand mit zwei riesigen Körben Mangos durch die Gegend, um sie zu verschenken? Das ist Französisch Polynesien!

Das Ankerfeld von Hiva Oa ist so klein, dass man schnell alle anderen Segler kennenlernt. Für die meisten ist es der erste Stopp nach vielen Wochen auf See, jeder hat seine eigene Geschichte. Jacques (72) aus Belgien war einhand von Panama aufgebrochen, bei Galapagos ist sein Mast gebrochen und er war insgesamt 94 Tage auf See, als er die letzten Meilen nach Hiva Oa in den Hafen geschleppt wurde. James und Matthias haben ihm beim Ankern geholfen, jeder hat ein paar Getränke und etwas zu Essen gebracht, weil er völlig entkräftet und ausgehungert war.Versorgt werden die Marquesas von zwei Versorgungsschiffen aus Tahiti, alles, vom Bagger bis zum Klopapier wird hierher gebracht. Die Aranui ist ein Spezialschiff, vorne Frachter und hintern Kreuzfahrtschiff. So bringt sie gleichzeitig auch noch Touristen auf die Inseln. In der winzigen Ankerbucht von Hiva Oa ist es jedes Mal ein Schauspiel, wenn dieses riesige Schiff einläuft.

Für uns wurde es Zeit, uns Gedanken zu machen, wie es mit unserer Reise weitergehen sollte. Es war Juli und im November beginnt im Südpazifik die Zyklonsaison, dann sollte man entweder in Neuseeland oder in Hawaii oder auf den Marquesas sein. Viele bleiben auch in Tahiti, obwohl es nur am Rand aber nicht außerhalb des Zyklongürtels liegt. Wir haben uns entschlossen, zu den Tuamotus und den Gesellschaftsinseln zu segeln und im November hierher zurück auf die Marquesas zu kommen. Erstmal musste aber BELLAs Rumpf vom Bewuchs der Pazifik-Passage befreit werden. Oberhalb der Wasserlinie hat Matthias sich mit dem Dinghy von vorne nach hinten gekämpft. Aber der beste Platz um den den Bewuchs unter Wasser zu entfernen war die schöne Bucht Hanamoenoa auf Tahuata. Endlich mal wieder schwimmen! Türkises Wasser unter dem Bug! Der Anblick ist ein Traum, wenn man aus Hiva Oa mit dem schwarzen schlammigen Wasser kommt. Inzwischen war es Ende Juli und wie vor jeder längeren Strecke hat Matthias am letzten Tag vor der Abreise zu den Tuamotus noch schnell den Mast geprüft. Doch was war das? An einem Beschlag hat er zwei kleine Risse entdeckt. In diesen Beschlag ist eines der Drahtseile (Wanten) eingehängt, die BELLAs Mast halten. Wir waren den Großteil der letzten 3500 Meilen auf dem Steuerbord-Bug gesegelt und die Backbord-Wanten hatten die Last. Das würde auf den nächsten 1000 Seemeilen ebenso sein. Zum Glück hatten wir so viel Mobilfunk-Abdeckung, dass wir E-Mails verschicken und empfangen und den Rigger unseres Vertrauens in Deutschland fragen konnten. „Die Risse sind nicht dramatisch, macht aber ein ungutes Gefühl“, war die Antwort von Herrn Groß. Damit hatte er es mal wieder auf den Punkt gebracht. Der Mast würde wohl nicht sofort runter kommen, aber wollten wir damit wirklich weiter segeln? Nein, wollten wir nicht. Wir wollten nicht bei jeder Welle erschrocken nach oben schauen und wir wollten auf gar keinen Fall einen größeren Schaden anrichten, als wir schon hatten. Also brauchten wir ein Ersatzteil und es mussten es irgendwie einbauen. Das würde nicht einfach werden, bei stehendem Mast im Wasser, aber wie immer hatte Herr Groß auch hierfür eine geniale Idee. Er hat den Beschlag mit angeschweißten Muttern versehen, sodass er nicht angenietet, sondern angeschraubt werden konnte, was im Mast hängend auf dem Boot sehr viel einfacher ist. Sechs Wochen hat es gedauert, bis unser Spezial-BELLA-Beschlag nebst Antikorosionspaste und Einbauhilfe am anderen Ende der Welt angekommen ist. Nicht viel später hatte Matthias ihn auch schon am schaukelnden Mast hängend eingebaut.

 Das war die gute Nachricht! Die schlechte Nachricht war, dass Matthias noch einen zweiten Beschlag entdecke, der getauscht werde musste. Diesmal aber nicht auf halber Masthöhe, sondern an der Mastspitze. Ein weiteres Ersatzteil hatten wir da, aber keine Ahnung, ob und wie sich dies bei stehendem Mast im Wasser austauschen ließ. 

Wir hatten noch sechs Wochen Zeit bis die Zyklon-Saison begann, also beschlossen wir, unsere Pläne mal wieder zu ändern, die Tuamotus auf das nächste Jahr zu verschieben, im kommenden halben Jahr die Marquesas zu erkunden und uns in Ruhe zu überlegen, wann und wo der Mast repariert werden kann. Hier ein paar Eindrücke der wunderschönen Marquesas. 

Tahuata

BELLA und CELESTE in Hanamoenoa

Walhai neben dem Boot

Walhai an unserer Ankerkette

Manta Rochen neben dem Boot

Sundowner

Hapatoni Bucht

Blick auf Hapatoni

Springende Delphine

Delphine neben dem Boot

Tiki Skulptur in Vaitaho

 

Fatu Hiva

Bucht von Hanavave

Paketpost per Schubkarre

Blick auf Hanavave

Wasserfall

Omoa

Sänger nach der Abendmesse

 

Nuku Hiva

Kirche in Taiohae

Ankerfeld am Abend

Schweine für den Grill

Bay Colette

Ankerfeld im Vulkankrater

Abendstimmung

Ananas am Wegesrand

Vanilleblüten

Vanilleschoten

Getrocknete Vanille

Traditionelle Tattoos

Generalprobe für das Tanzfestival